Einkaufsmarkt in Winterbach

1. Preis Wettbewerb

 

 

 

Städtebau, Erschließung und Architektur:

Der Standort für den neuen Lebensmittelmarkt in Winterbach  liegt zwischen Schorndorfer Straße  im Norden und der Bahnlinie mit S-Bahnanschluss nach Stuttgart im Süden. Die parkartig angelegte Grünfläche der Altenwohnanlage bildet den westlichen Anschlusspunkt, während im Osten der Übergang zum Wohnungsbau stattfinden soll.

Zum einen gilt es, diesen Wohnbau vor Emissionen des Marktes zu schützen und einen entsprechenden Übergang zu finden, zum anderen ist der Markt so zu platzieren, dass er sich mit seiner attraktiven Fassade zum Ort hin öffnet - eine Anlieferung muss funktionieren und an der für den Marktbetrieb richtigen Stelle liegen, sollte aber auch keinesfalls Anwohner beinträchtigen. Aus diesen Kriterien heraus entwickelt sich unser Konzept.

 

Der Neubau mit seiner vorgelagerten, sehr kompakten Parkierungsanlage rückt so weit als möglich in Richtung Ortszentrum und erreicht damit den größtmöglichen Abstand zur östlichen Wohnbebauung. Übrig bleibt damit ein erheblicher Grundstücksteil, welcher durch für diesen Ort ganz speziell entwickelte gereihte Einfamilienhäuser bebaut werden kann- nicht aber muss.

Die Wohnbauten öffnen sich zu eigenen geschützten Innenhöfen und gleichzeitig zu einem großen gemeinsamen Grünraum, welcher zwischen Bestandsbauten und Neubauten durchfließt.

Ein Wohnweg mit beidseitiger kubischer Bebauung und Gebäudeteilen gleicher Höhe bewirkt den harmonischen städtebaulichen Übergang beider Nutzungen. Es wird in Skizzen dargestellt, wie diese Wohnbebauung sich einfügt und wie die Grundstücksaufteilungen sein können. Dabei können  die beiden bestehenden Wohnhäuser im Schilfweg  jeweils sogar zusätzliche Grundstücksfläche erhalten, das südliche Grundstück auch insbesondere für die gewünschte Garage, welche im Zusammenwirken mit einer dargestellten  Schallschutzwand dem gesamten Wohn- Grünbereich Ruhe geben kann.

 

Was den Netto- Markt betrifft, so ist dessen Architektur durch das Tragwerk geprägt. Die großen Fachwerkbinder zeichnen sich als erhöhte, mit Photovoltaik belegte weiße Baukörper ab, während die Nebenträger die niedrigeren Dachteile mit Ihren Grünflächen bilden. Es entsteht dadurch eine gegliederte Gebäudestruktur, welche in ihrem Erscheinungsbild dem Ortsgefüge von Winterbach entspricht und sich in Form der vorgeschlagenen neuen Einfamilienhäuser am neuen Wohnweg wiederfindet.

Der Eingang wird dadurch betont, dass die in Holzton gehaltene Vordachsituation, welche das gesamte Gebäude zum Zentrum und Parkplatz hin wie eine Klammer umfasst, in der Holzterrasse des Bäckers ausläuft und so einen markanten Aufenthaltsbereich an der Schorndorfer Straße schafft.

Es sind zwei Eingänge vorgesehen, so dass getrennte Öffnungszeiten möglich sind, z.B. am Sonntag. Eine gemeinsame Vorzone im Innenbereich verbindet jedoch täglich beide Nutzungen.

Die Verkaufsfläche für „Netto“ beträgt 1053 m², die Flächen für die Bäckerei mit Cafe sind variabel und werden mit dem Nutzer noch genauer abgestimmt. Es sind insgesamt 72 Stellplätze für PKW vorgesehen. Die Außenanlagenplanung umfasst ein Grünkonzept mit vielen Bäumen und Grünflächen- die Stellplatzflächen werden wasserdurchlässig mit entsprechenden Pflasterungen ausgeführt. Die Erschließung der Stellplatzflächen kann sowohl von der Schorndorfer- als auch von der Bahnhofstrasse aus erfolgen. Die Anlieferung geschieht über die Bahnhofstrasse und den südlichen Teil des Grundstücks, indem der LKW in eine „Tasche“ als überdeckten Anlieferbereich zurückstößt.

 

 

Energie:

Das Gebäude erfüllt die neuesten Vorgaben der Energieeinspar- Verordnung, es wird  völlig ohne fossile Brennstoffe mit Energie versorgt. Das Konzept hat zwei wesentliche Merkmale, die in Zukunft noch weiter an Bedeutung gewinnen werden - die Umwelt wird nachhaltig geschont und die laufenden Betriebskosten betragen nur einen Teil der sonst üblichen Kosten. Dazu wird ein Verbund zwischen Wärme und Kälte hergestellt. Um diesen Kreislauf optimal auszunutzen, können z.B. unter dem Parkplatz, in rund zwei Metern Tiefe, Energiegräben eingebaut werden. Das waagrecht im Boden liegende Rohrsystem entzieht dann dem Erdreich großflächig Wärme. Der Energietransport vom Erdreich in das Gebäude und umgekehrt erfolgt über ein umweltfreundliches, durch die Rohre fließendes Wasser-Sole-Gemisch.

Vorrangig wird das Gebäude mit der Abwärme der Kälteanlage beheizt. Diese Abwärme ist quasi ein "Abfallprodukt", das beim Kühlen der Kühlräume und der Kühlmöbel entsteht. Im Winter, bei Frosttemperaturen, wird zusätzlich Energie aus dem Erdreich zur Wärmepumpe transportiert, auf ein höheres Temperaturniveau "gepumpt" und von dort in das Heizungssystem eingespeist. Das mit Abwärme aus der Kühlanlage und - soweit erforderlich - über die Wärmepumpe erwärmte Heizungswasser fließt direkt durch Rohre, die im Fußboden des Gebäudes einbetoniert sind. Damit wird der Betonboden erwärmt, der wiederum die Wärme über die gesamte Fläche des Verkaufsmarktes  abgibt. Diese Betonkernaktivierung funktioniert ähnlich wie eine Fußbodenheizung, hat aber den Vorteil, dass der Betonboden mehr Speichermasse bietet.

Während der Übergangszeit und im Sommer wird die überschüssige Abwärme der Kälteanlage direkt in das Erdreich unter dem Parkplatz abgeleitet und hier für den kalten Winter "zwischengespeichert". Das Sole-Wasser-Gemisch wird dabei abgekühlt und vermindert somit außerdem den Energiebedarf der Kälteanlage. Zusätzlich kann damit das Gebäude im Sommer über die Betonkernaktivierung und die Lüftungsanlage effizient temperiert werden. In der Übergangszeit, wenn die Außentemperatur niedriger ist als die Temperatur im Erdreich, wird die Kühlflüssigkeit der Kälteanlage zusätzlich über einen auf dem Gebäudedach installierten Rückkühler geleitet. Diese Abkühlung des Mediums vermindert nochmals den Stromverbrauch der Kälteerzeugung. Damit das gesamte System wie geplant funktioniert, wird ein intelligentes Gebäude-Automationssystem programmiert und installiert. Dieses System wählt automatisch den am meisten Energie sparenden Betriebsmodus aus. Konsequenterweise wird neben der Erdwärme und der Abwärme aus dem Kältesystem auch solare Energie genutzt. Zu diesem Zweck wird auf dem Dach des Gebäudes eine Photovoltaik- Anlage installiert. Der damit CO2-frei erzeugte Solarstrom wird in das öffentliche Netz eingespeist und an das Elektrizitätsversorgungsunternehmen verkauft. Im gesamten Verkaufsraum sorgt eine Lüftungsanlage mit integriertem Wärmerückgewinnungssystem für ein angenehmes Raumklima. Eine Überdruckanlage im Bereich der Theke stellt optimale hygienische Luftverhältnisse sicher. Alle Ventilatoren sind mit hocheffizienten Energiesparmotoren ausgestattet. Alle Tiefkühlregale verfügen über dämmende Glasschiebedeckel. Damit wird der Kältebedarf zusätzlich um 50 bis 70 % gesenkt. Mit der Kombination von Erdwärme, Wärme-Kälte-Verbund, Wärmerückgewinnung, Betonkernaktivierung und Photovoltaik werden ganz erhebliche Mengen an CO2-Emissionen vermieden und es wird damit der Schadstoffausstoß im Vergleich zu einem konventionellen Energieversorgungssystem in etwa halbiert. Gleiches gilt für die laufenden Betriebskosten. Die technisch beschriebenen Möglichkeiten sind bei verschiedenen Projekten von unserem Büro bereits ausgeführt worden und haben sich als sehr zukunftsweisend herausgestellt; die Möglichkeiten sind in Bezug auf den Standort Winterbach im Laufe der Projektierung noch weiter zu untersuchen und eventuell auf Besonderheiten anzupassen.

 



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